Einer meiner hochgeschätzten Philosophen  schrieb zum Thema Reisen:

Reisen will gelernt sein. Die Kunst des Aufenthalts in der Fremde wird selten im Vaterhaus erlernt – im Gegenteil, die Lehren des Vaterhauses führen im späteren leben meist nur zum Biertisch. Und Muttersprache, Mutterlaut – wie wonnesam, so traut — jaja, bloß welchen Preis sind Sie für diese Wonne zu zahlen bereit? Wer daheim bleibt, hat – mit etwas Glück – Bier und Wonne. wer reist, erfährt – wiederum etwas Glück vorausgesetzt, denn mancher erfährt‘s nie – zweilerlei: Erstens, daß Heimat eine Wirklichkeit ist, aber bei Gott nicht die Wirklichkeit; daß die Fremde in ihrer Weise genauso wirklich ist und von Menschen bewohnt, die ihrerseits glauben, ihre Wirklichkeit sei die Wirklichkeit. Und zweitens, eng damit zusammenhängend, daß erst von der Fremde her die eigene Wirklichkeit erfassbar wird.
Wenn wir die Welt jenseits des Biertisches nicht mehr als falsch, sondern als anders begreifen, ergibt sich etwas Paradoxes: Es erweist sich dann, daß von Trivialitäten abgesehen, das Anderssein nicht mehr ins Gewicht fällt, daß wir alle Geschwister sind oder, wenn Sie es vorziehen, Geschöpfe Gottes. Tutto il mondo è paese – die ganze Welt ist ein Dorf – sagt die Wahrheit des italienischen Sprichwortes.
Paul Watzlawick : Gebrauchsanweisung für Amerika S.157 – 159 Piper Verlag München 2002

Aus Anlaß meiner zweiten, vierwöchigen Sprachreise im Sommer 2012 nach Montpellier (meine erste Sprachreise dauerte etwas länger, nämlich 5 Jahre und brachte mir sehr gute Russischkenntnisse ein) entstand dieses Webtagebuch, was im Laufe der Zeit mit weiteren Fotos und Bemerkungen gefüllt werden wird. Da ich als visueller Typ oft das Bild des Augenblickes vor mir habe, die daheimgebliebenen aber selten zur gleichen Zeit am selben Ort wie ich weilten, soll dieses Tagebuch auch einladen, Orte in der Ferne zu betrachten, neugierig machen, um den Biertisch zu verlassen und in der „fremden“ Welt genauso solche Menschen zu treffen, wie Du und ich. Ganz egoistisch dient es, mich im Strudel der Zeit zurechtzufinden, wann ich mal an welchem Ort war.